Bienenleben
Lustig ist das Bienenleben!
Lustig in dem Sonnenschein,
Um die duft’gen Bäume schweben,
Kosten edlen Blütenwein!
Alles horchet, wenn sie summen
In die Sommerwelt hinein,
Ja die Lüfte selbst verstummen,
Lauschen ihren Melodei’n.
Bei der ersten Morgenhelle
Sind sie munter und bereit,
Sie verlassen ihre Zelle,
Und kein Weg ist je zu weit.
Darum will der Sommer ihnen
Lohnen auch ihr heißes Müh’n,
Lässet für die lieben Bienen
Seine bunten Blumen blüh’n.
(A. H. H. von Fallersleben)
Sommermittag
Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.
Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk‘,
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.
Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.
Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
„Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut.“
Theodor Storm